Grammatik im Netz (GiN)

Inszenierungspraktiken in Erklärvideos zu den Kasus des Deutschen

Dissertationsvorhaben

Erklärvideos sind inzwischen ein alltäglicher Bestandteil des Medienkonsums vieler Menschen, insbesondere bei Schüler:innen. Auch innerhalb der linguistischen Forschung haben sie Beachtung gefunden. Im Hinblick auf das Kontinuum von Mündlichkeit und Schriftlichkeit (Koch/Oesterreicher 1985) positionieren sich Erklärvideos als hybride Form der digital vermittelten Kommunikation. Ihre Konzeption und Produktion orientieren sich in der Regel an den spezifischen Bedingungen digitaler Kommunikation, den technischen Umsetzungsmöglichkeiten und an einer jeweils adressierten Zielgruppe; für Media-Sharing-Plattformen wie YouTube wird diese als imagined audience bezeichnet (Litt 2012).
Qualitativ ausgerichtete Forschungsansätze zum Erklärvideo als Medienprodukt kommen zu dem Schluss, dass die mediale Umgebung – einschließlich der spezifischen Plattformlogik – ein Spannungsfeld zwischen fachlicher Angemessenheit, Authentizität und medialer Inszenierung schafft (z. B. Beißwenger 2021; Schindler/Knopp 2023; Rezat/Feilke 2024).


Ziel von Erklärvideos ist es, fachliche Inhalte so zu vermitteln, dass – wie YouTuber Mirko Drotschmann beschreibt – die vermittelnde Person eher als „guter Kumpel oder die große Schwester“ (Drotschmann 2019: 164) denn als „Neumalkluge“ auftritt und dabei anschaulich sowie unterhaltsam „ein bisschen wie ein Nachhilfelehrer“ agiert (Drotschmann 2019: 168). Es ist davon auszugehen, dass Erklärvideos, die auf öffentlichen Plattformen veröffentlicht werden, weitgehend geplant, zielgruppenorientiert aufbereitet und gezielt medial inszeniert werden.


Im Rahmen meines Dissertationsprojekts werden medienspezifische Inszenierungspraktiken in öffentlich zugänglichen Erklärvideos zu den deutschen Kasus untersucht. Ziel ist es, sprachliche und kommunikative Praktiken in digitalen Erklärräumen (in Anlehnung an Androutsopoulos 2016; Beißwenger 2016; Deppermann et al. 2016) herauszuarbeiten und deren Einfluss auf Darstellung und didaktische Modellierung des jeweiligen sprachlichen Gegenstands offenzulegen. 
Das Erklärvideo wird dabei als Medienformat betrachtet, in dem Text-, Audio- und Bewegtbildelemente orchestriert werden und sich in zweierlei Hinsicht als starke und dynamische Sehfläche(n) (Schmitz 2011, 2022) manifestieren. Das Videosampling erfolgte nach festgelegten Kriterien aus YouTube-Postings.

Betreuerinnen: Prof.in Dr. Ursula Bredel, em. Prof.in Dr. Hildegard Gornik